Rückblick

„Lebst du noch“ und „Unterm Arm die Odyssee“

„Lebst du noch“ und „Unterm Arm die Odyssee“

Zur ersten Lesung, im Rahmen des Programms zum 100. Geburtstag des Autors Max von der Grün, hatte der Haus Wenge Verein, in Zusammenarbeit mit dem Fritz Hüser Institut, seine langjährigen Weggefährten Jutta Richter und Levent Aktoprak eingeladen (rechts im Bild Jenny von der Grün).

“Lebst du noch?“, das war die Frage mit der Max von der Grün jedes der Telefonate mit seiner Kollegin Jutta Richter eröffnete. Zum hundertsten Geburtstag hat die Autorin von Kinder- und Jugendbüchern jetzt ihm diese Frage gestellt und mit Hilfe seiner Literatur beantwortet.

Neben vielen anderen Preisen erhielt sie 2001 den Deutschen Jugendliteraturpreis für „Der Tag, als ich lernte, die Spinnen zu zähmen“ und 2005 den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis für „Hechtsommer“, außerdem war sie mehrfach für Deutschland beim internationalen Astrid Lindgren Memorial Award nominiert.

In ihrer launigen Lesung, angereichert mit vielen persönliche Anekdoten, durften die Wenge-Gäste „miterleben“ wie der junge Max von der Grün aus Franken ins Ruhrgebiet kam, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. So 2 – 3 Jahre wolle er bleiben und Geld verdienen, so der Plan. Den Ort, wo er auf einer Zeche arbeiten sollte, entschied er ein wenig aus dem Bauch heraus. Gelsenkirchen oder gar Wanne-Eickel erschienen ihm komische Ortsnamen. Königsborn in Unna, sollte es dann werden.

Dass die Romane von Max von der Grün an Aktualität nichts verloren haben, zeigte der Leseabschnitt aus dem Buch „Die Lawine“. „Als ich Max mal besuchte, zeigte er mir, von seinem Arbeitszimmer aus, die im Dorf liegende Lanstroper Kirche. Mit einer Leiche, im Fenster dieser Kirche, sollte sein neues Buch beginnen. Das passt doch gut für den heutigen Abend in Haus Wenge.“

Der Journalist und Deutschlandradio Moderator Levent Aktoprak, der den zweiten Teil des Literaturabends bestritt, beherrscht die Kunst, ernste Themen pointiert und ironisch dem Publikum nahezubringen. Sein Gedichtband »Unterm Arm die Odyssee/Das Meer immer noch im Kopf«, nahm dabei das verdruckste Verhältnis Deutschlands zu seinen »Gastarbeitern« und den Identitätszwang auf die Schippe. Als gutes Beispiel diente da seine starke Bindung zum BVB, die er immer wieder unter Beweise stellen sollte. So war er viele Jahre Mitbegründer und Präsident des sozial und kulturell engagierten Fanclubs „BVB International e.V.“

Aktoprak kam als Kleinkind nach Deutschland. Nach seinem Abitur und Studium arbeitet er als freier Autor und Rundfunkjournalist für den Westdeutschen Rundfunk und den Deutschlandfunk. Er moderierte verschiedene Rundfunksendungen, so zum Beispiel im WDR „Von Bosporus bis Gibraltar“ und „Piazza“ und beim ZDF mehrere Jahre das Magazin „Nachbarn in Europa“. Heute ist er einem breiten Publikum als Moderator der Deutschlandfunk-Sendung „Tag für Tag – Informationen aus Religion und Gesellschaft“ bekannt.

Mit vielen Gesprächen und Erinnerungen endete diese sehr persönliche Lesung in Haus Wenge.