Seit seinem ersten Besuch im Herbst 2024 verbindet Nikolaus von der Wenge Graf Lambsdorff – so sein voller Name – ein enger Kontakt mit Haus Wenge. Nach der Übergabe des historischen Wappenstuhls seiner Familie an den Haus Wenge Lanstrop e.V. im vergangenen Jahr war er erneut zu Gast in Lanstrop, diesmal mit einem spannenden Vortrag über die Geschichte seiner Familie und sein berufliches Leben als Diplomat.

Nach der Begrüßung, durch den Vorsitzenden des Wengevereins, Dr. Günter Hagenhoff, im bis auf den letzten Platz besetzten Saal von Haus Wenge, erläuterte Graf Lambsdorff zunächst das Familienwappen und begann dann die Reise durch die Geschichte seiner Familie mit Gerd von Lamestorpe, der als nachrangig geborenes Mitglied der Familie im 14. Jahrhundert in das zu der Zeit zum Deutschordenstaat gehörende Baltikum auswanderte.


Das Baltikum wurde im 18. Jahrhundert Teil des russischen Zarenreichs und in der Folgezeit standen einige der deutschbaltischen „von der Wenges“ in den Diensten der russischen Zaren.

Zum Beispiel Gustav Matthias, dem 1817 für seine Verdienste in der Erziehung des Zarensohnes von Zar Alexander I. der vererbbare Adelstitel „Graf Lambsdorff“ verliehen wurde und der so der Stammvater der „Grafen Lambsdorff“ wurde. Oder Wladimir, der von 1900-1906 als Minister für auswärtige Angelegenheiten am Zarenhof tätig war.

Im Laufe der Zeit kehren einige Mitglieder der weitverzweigten Familie Lambsdorff nach Deutschland zurück, wo dann deren Nachfahren wiederum in Politik und Diplomatie tätig waren oder sind.
Aus dem Bereich Politik sei erinnert an den Vater des Referenten, den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff.

Nikolaus Graf Lambsdorff selbst zog es als jungen Mann in das Auswärtige Amt, geleitet von dem Wunsch, möglichst viele interessante Tätigkeiten in aller Welt zu übernehmen.
Zusammen mit seinem Onkel Hagen Graf Lambsdorff und dessen Sohn Alexander Graf Lambsdorff, aktuell noch deutscher Botschafter in Moskau, waren zeitweilig 3 Grafen Lambsdorff gleichzeitig als deutsche Diplomaten aktiv, eine sicherlich einmalige Konstellation auch in der internationalen Diplomatie.

Mit viel Witz und Humor erzählte der Referent Anekdoten aus seinem eigenen Berufsleben. Er klärte die Zuhörer auf, warum es schon eine Dokumentenfälschung ist, wenn man die arg strapazierte Bindung eines Diplomatenpasses mit TESA-Film verstärkt. Auch seine ersten Begegnungen mit den Eigenheiten des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher brachten die Gäste zum Schmunzeln.


Er informierte die interessierten Gäste über das tägliche Tun und Leben eines Botschaftsangehörigen, z.B. welche Privilegien Diplomaten in der Praxis wirklich haben oder warum der Ruf nach mehr Diplomatie in Krisenregionen oftmals gar nicht so leicht umzusetzen ist.
Auch um zu verhindern, dass ein Diplomat seinen jeweiligen Einsatzort zu sehr schätzen lernt und dessen Interessen dann wohlmöglich über die Interessen der deutschen Politik stellt, werden deutsche Botschafter im Regelfall alle 3-4 Jahre abberufen und versetzt. Anhand der vielen Stempel in seinem Diplomatenpass konnten sich die Zuhörer selbst ein Bild machen von den verschiedensten Einsatzorten, an denen Graf Lambsdorff bis zu seiner Pensionierung tätig war.

Graf Lambsdorff verschwieg nicht, dass bei aller Freude über eine neue Aufgabe die häufigen Versetzungen auch Probleme mit sich bringen, insbesondere für die Partner/-innen und Familien der Diplomaten. Zumal diese nur als „MAP – Mit ausreisende Personen“ gelten und im Gastland keinen Beruf ausüben dürfen. Mit einem Augenzwinkern bemerkte dazu seine anwesende Gattin Marcie Gräfin Lambsdorff (links im Bild), dass innerhalb der Diplomatendamen das „P“ auch schon mal für „Pudel“ benutzt wird.

Alles in allem ein informativer, spannender und lebendiger Vortragsabend, wobei auch die Antwort auf die Schlussfrage eines Zuhörers, welches Land dem Diplomaten Graf Lambsdorff am besten gefallen habe, eines Diplomaten würdig war.

„Beruflich hat es mir in allen Ländern gut gefallen. Wenn Sie mich als Privatperson fragen, würde ich Estland nennen, denn trotz der aktuell bedrohlichen politischen Situation sind die Menschen dort sehr aufgeschlossen, fröhlich und guter Dinge. Das hat mich sehr beeindruckt.“

Bilder: Dirk Reischl















